Geschichte

Die Geschichte des Musikvereins Peheim von 1922 bis 1939

Die Blasmusik wurde in Peheim schon 1922 gepflegt. Musikbegeisterte Männer Heinrich, Anton und Bernhard Dinklage, August und Heinrich Stadtsholte, Willi Robben, Josef Koopmann und einige andere gründeten eine Blaskapelle. Leider sind von der Gründerzeit keine Fotos mehr vorhanden. Doch es ist bekannt, dass unter Leitung von Wilhelm Janßen (genannt Mareien Wilm) aus Neuvrees und Johann Deyen aus Ellerbrock geübt wurde. Einige Jahre später übernahm August Stadtsholte die Leitung. Die Instrumente und Trommeln wurden damals fast ausschließlich über die Firma Moritz Wulf Instrumentenbau in Oldenburg im Tausch gegen Naturalien wie Roggen, Butter und Speck beschafft. Dabei handelte es sich größtenteils um gut erhaltene Instrumente des frühere Musikkorps des Infanterie-Regiments Nr. 91. Als hervorragender „Kompensator in Naturalien“ sei der damalige Geschäftsführer der Warengenossenschaft Josef Koopmann (gest. 1927) genannt, dem die damalige Bläsergruppe viel zu verdanken hatte.

1924 begleitete die Blaskapelle erstmals die Fronleichnamsprozession mit folgender Besetzung: Anton Tewes – Trompete, Willi Robben – Trompete, Heinrich Stadtsholte – Althorn, Anton Dinklage – Bass sowie August Stadtsholte – Tenor.

Es ist bekannt, dass bei der Primizfeier von Nikolaus Schwarte am 1. August 1926 unter anderem auch das „Veni Creator Spiritus“ zu Gehör gebracht wurde und bei der Bevölkerung großen Widerhall fand. 1926 übernahm Willi Robben den Dirigentenstab, und zu dem Verein gesellten sich immer mehr Mitglieder wie Bernd Kock, Bernd Schlangen, Hermann Niemann, Aloys Eckholt und Johann Rump. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Blaskapelle 16 Mitglieder.

In dieser Besetzung hatte der Verein viele Auftritte auf Schützenfesten, kirchlichen Festen und Hochzeiten auf Bauerndielen. Schon damals war die Blastruppe ein bewegter Verein. Durch Theateraufführungen im Winter, sowie durch eine großzügige Unterstützung des Schützenvereins konnten die Reparaturkosten der Instrumente aufgebracht werden,
so dass der Verein in jener äußerst moneten-knappen Zeit nicht zum Erliegen kam.
Aber auch die aktiven Indealisten schusterten aus dem eigenen Geldbeutel manche Mark zu. Die Einnahmen des Vereins waren damals recht gering. Beispielsweise erhielt man für einen Auftritt mit neun Personen für Festumzug und Tanz im Festzelt bis zum frühen Morgen auf dem Schützenfest in Gehlenberg ganze 45 Reichsmark.

Bezüglich der Vereinsführung und der geplanten Auftritte gab es damals wie heute immer wieder kleine Reibereien. Dann blieben die Instrumente für einige Zeit auf der Hillen bei Koopmann liegen, bis alle Unstimmigkeiten beigelgt waren.

1936 zog Willi Robben nach Suhle, und Heinrich Dinklage wurde Dirigent bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Aus dieser Zeit ist noch bekannt, dass die Musikkapelle Peheim in Abwechslung mit dem Spielmannzug des RAD Lagers Peheim die Feier des 1. Mai mit Marsch- und Konzertmusik umrahmte. Während des 2. Weltkrieges kam alles zum Erliegen. Anton und Heinrich Dinklage kamen aus dem Kreig nicht zurück. Ihre Instrumente wie Trompete und Klarinetten wurden von den einziehenden alliierten Truppen zerstört, und andere Instrumente des Vereins wurden beschlagnahmt.

Von der Neugründung durch fördernde Mitglieder von 1953 bis 1965

Nach dem Krieg wurde 1949 das erste Schützenfest gefeiert. Dabei vermisste man die Peheimer Blasmusik. Am zweiten Schützenfesttag 1953, während des Aufhängens der Schützenscheibe beim Schützenkönig August Einhaus, wurde die Wiederbelebung des Peheim Musikvereins besprochen. Im Herbst 1953 war es soweit. Durch Geldsammlungen im Dorf konnten einige gebrauchte Instrumente beschafft werden. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich Heinrich Wessels, Johann Ostermann und Hubert Osterkamp tatkräftig für dieses Vorhaben eingesetzt haben. August Stadtsholte übernahm wieder den Dirigentenstab und als erster Übungsraum wurde die Holzschuhmacherwerkstatt Stadtholte zur Verfügung gestellt. Da kein Notenmaterial vorhanden war, schrieb Georg Neumann die Noten von Hand.

Zur Freude der Theaterbesucher konnten Weihnachten 1953 während der Theateraufführung die Pausen mit drei Liedern überbrückt werden. Franz Koopmann-Spark hielt die Ansage und schilderte die Wiederbelebung des Peheimer Musikvereins so, wie in der Bibel das Ende der Welt beschrieben steht: „Die Engel werden blasen, aber wie und was für Töne; die Töne hat noch keiner gehört. Ob überhaupt Töne kommen, wissen wir nicht, aber geblasen wird.

Aus Freude über das Wiedererwachen der Blasmusik in Peheim musste das Weihnachtslied „Oh du Fröhliche…“ immer zu wiederholt werden.

1. Übungsraum 1952/53 war die Holzschuhmacherwerkstatt von August Stadtholte sen.
1. Übungsraum 1952/53 war die Holzschuhmacherwerkstatt von August Stadtholte sen.

Später fanden die Übungsabende auch in den Gaststätten Koopmann und Elbers sowie über mehrere Jahre in der Schule statt, bis Rendant Hubert Osterkamp das Sitzungszimmer der Raiffeisenbank zur Verfügung stellte. Gleich nach der Neugründung wurden die ersten Noten von Hubert Osterkamp bestellt.

Die Instrumente waren knapp und teuer, so dass sich Helmut Dinklage manchmal von seinem Vetter Engelbert Dinklage eine Trompete auslieh. Die Bedingung war aber, dass er für eine Stunde Spielzeit einen Mietpreis von 50 Pfenning bezahlen musste.

Rechnung von Lyra-Musikhaus 1954 für Musiknoten
Rechnung vom Lyra-Musikhaus 1954 für Musiknoten

Der erste öffentliche Auftritt nach Neugründung fand 1954 wie 30 Jahre zuvor bei der Fronleichnamsprozession statt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Verein zwölf aktive Mitglieder an.

Die Musiker von 1954 (stehend v.l.): Hermann Ostermann, Georg Neumann, Hubert Osterkamp, Engelbert Dinklage, Hubert Kramer, Franz Lübbers, August Stadtsholte jun., August Stadtholte sen. (sitzend v.l.): August Pleuter, Aloys Drechsler, Bernd Elbers, Otto Stadtsholte
Die Musiker von 1954: (stehend v.l.): Hermann Ostermann, Georg Neumann, Hubert Osterkamp, Engelbert Dinklage, Hubert Kramer, Franz Lübbers, August Stadtsholte jun., August Stadtholte sen. (sitzend v.l.): August Pleuter, Aloys Drechsler, Bernd Elbers, Otto Stadtsholte

Nach und nach kamen immer mehr Mitglieder hinzu. Zeitweise nannte sich der Verein Landesjugendkapelle Peheim, aus dem dann später der Musikverein Peheim entstand. Das Motto des 1953 gegründeten Vereins lautete: „Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude“. Der Verein spielte bei kirchlichen Festen wie Fronleichnam, Christmette zu Weihnachten, zu Ostern beim Osterfeuer, beim Schützenfest und anderen Vereinsfesten, bei Hochzeiten, bei Jubiläen der Mitglieder und bei Veranstaltungen über die Grenzen Peheims hinaus. Oft wurde beim VDK-Fest bei Plate v. Grönheim und auf Hochzeiten im Saal oder auf Bauerndielen in Lindern und Osterlindern gespielt. Erwähnenswert ist dabei, dass Gerd v. Grönheim aus Osterlindern viele auswertige Auftritte vermittelte. Gerd v. Grönheim war von 1957 bis 1969 Mitglied im Musikverein Peheim. Ein weiterer großer Förderer der Blasmusik in Peheim war Georg Neumann, der von der ersten Stunde an mit dabei war. Später zog er aus beruflichen Gründen nach Höltinghausen.

Bis 1964 feierte man das Schützenfest in Peheim am 1. Mai nur an einem Tag. Nachmittags um 14:00 Uhr fand ein großer Festumzug statt. Am 2. Schützenfesttag versammelten sich die Schützen und Offiziere das Schützenvereins und auch der Musikverein nochmals in der Ortsmitte, um dem Schützenkönig die Schützenscheibe zu überreichen.

1. Mai 1956 Musikverein und Schützenverein beim Aufhängen der Schützenscheibe: Schützenkönig Ernst Jansgers
1. Mai 1956: Der Musikverein und der Schützenverein beim Aufhängen der Schützenscheibe: Schützenkönig Ernst Jansgers
2. Mai 1957 Der Musikverein und Schützenverein sind fertig zum Abmarsch, um dem Schützenkönig Alfons Einhaus der Schützenscheibe zu überbringen. Vorne: Hermann Ostermann, Helmut Felstermann, Gerd v. Grönheim, August Stadtsholte, Tuba: Ewald Felstermann, Hubert Osterkamp, Trommel: Josef Pleuter Rechts: Oberst Josef Fuhler und Kompanieführer Franz Lübbers
2. Mai 1957: Der Musikverein und Schützenverein sind fertig zum Abmarsch, um dem Schützenkönig Alfons Einhaus der Schützenscheibe zu überbringen. Vorne: Hermann Ostermann, Helmut Felstermann, Gerd von Grönheim, August Stadtsholte, Ewald Felstermann, Hubert Osterkamp, Trommel: Josef Pleuter; Rechts: Oberst Josef Fuhler und Kompanieführer Franz Lübbers
2. Mai 1957 beim Schützenkönig Alfons Einhaus Oben: Gerd v. Grönheim, Engelbert Dinklage, August Stadtsholte Links: Helmut Dinklage, August Pleuter, Hermann Ostermann, Josef Pleuter, Heinrich Moorkamp, Hubert Osterkamp, Ewald Felstermann Rechts: Johann Rumn
2. Mai 1957 beim Schützenkönig Alfons Einhaus: Oben: Gerd v. Grönheim, Engelbert Dinklage, August Stadtsholte; Links: Helmut Dinklage, August Pleuter, Hermann Ostermann, Josef Pleuter, Heinrich Moorkamp, Hubert Osterkamp, Ewald Felstermann; Rechts: Johann Rum
Musikverein: 1958: Trommel: Josef Pleuter, kl. Trommel: Heinz Dinklage, verdeckt mit Tenor: August Stadtsholte, Josef Hogertz, Trompete: Engelbert Dinklage, Zugposaune: Hermann Ostermann, Tuba: Ewald Felstermann, Althorn: Josef von Höven, Helmut Felstermann verdeckt, August Stadtholte sen.
Musikverein: 1958: Trommel: Josef Pleuter, kl. Trommel: Heinz Dinklage, verdeckt mit Tenor: August Stadtsholte, Josef Hogertz, Trompete: Engelbert Dinklage, Zugposaune: Hermann Ostermann, Tuba: Ewald Felstermann, Althorn: Josef von Höven, Helmut Felstermann verdeckt, August Stadtholte sen.

1965 feierte der Schützenverein sein 75. Jubiläum. Am 1. Mai war ein großer Festumzug mit Schulkinder und dem altem Schützenkönig Josef Fuhler. Am 2. Mai maschierten viele auswärtige Vereine sowie die Musikkapellen Peheim, Markhausen, Vrees und Lindern und der Jubiläumsschützenkönig Gerd Einhaus mit im Jubiläumsfestumzug.

2. Schützenfesttag 1959 in Peheim Die Schützenscheibe wird zum Schützenkönig gebracht
2. Schützenfesttag 1959 in Peheim: Die Schützenscheibe wird zum Schützenkönig gebracht

Aus Altersgründen legte August Stadtsholte im Herbst 1965 sein tatenreiches Amt als Dirigent nieder. Die Leitung wurde dem Lehrer August Rolfsen übertragen, wobei mit ihm die Blütezeit des Musikverein seinen weiteren Lauf nahm. Ihm gebürt der Dank dafür, dass durch seine aufopfernde Tätigkeit der Verein im Jubiläumsjahr so gut fundiert dasteht.

Chronologischer Verlauf der Vorsitzenden

Chronologischer Verlauf der Dirigenten